Körperliche und sexuelle Selbstbestimmung. Eine Begegnung in Widersprüchen

My body, my choice! Die Schwangere soll selber entscheiden können, ob sie schwanger bleibt oder nicht. Ihr Selbstbestimmungsrecht steht im Fokus unserer feministischen Kämpfe. Die befruchtete Eizelle interessiert uns wenig. Klare Kiste! Oder?

Was aber, wenn eine Diagnose vorliegt und eine medizinische Auffälligkeit beim Embryo festgestellt wird, beispielsweise eine Trisomie. Sollten wir dann den Embryo mehr in den Blick nehmen? Verändert sich unsere Perspektive auf die Selbstbestimmung der Schwangeren. Unterstützen wir jede Entscheidung zu einer Abtreibung? Das What the fuck-Bündnis positioniert sich immer wieder gegen Selektion durch pränatale Diagnostik. Was bedeutet das und wird damit das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren eingeschränkt?

Gemeinsam wollen wir über Selbstbestimmung in einer patriarchalen und behindertenfeindlichen Gesellschaft sprechen. Uns geht es darum, Dilemmata sichtbar zu machen. Wir überlassen nicht der christlich fundamentalistischen „Lebensschutzbewegung“ das Feld, wenn es um Pränataldiagnostik und Behinderung geht. Ran an die Widersprüche und Knoten im Kopf!

Das what the fuck-Bündnis lädt ein zu einem Input und Diskussion.

Samstag, 1. Juni 2019, 18:30 Uhr, faq Infoladen Neukölln, Jonasstraße 40

How to stop an anti-choice-march? Perspectives from Prague

05.04.2019  |  19:30 Uhr  |  f.a.q. Infoladen (Jonasstraße 40, 12053 Berlin)
[en]

Unfortunately, the anti-abortion movement is not merely a German problem. In the wake of the fascist uprising in Europe, reactionaries with different roots allign and strive to dismantle the already shallow reproductive rights of women* in most european countries. At the same time there are fierce feminist movements fighting against conservative and strict abortion laws e.g. the black protest in Poland or the pro-choice-campaigns in the irish referendum.On the 27th of April the „national march for life“ will be taking place in Prague. The comrades of the Kolektiv 115 will come to Berlin to introduce us to the political origins of the Czech anti-abortion movement and social situation they agitate upon. TOP B3rlin invites to discuss together with the What the Fuck – coalition which political strategies and tactics are useful and sucessful against „pro-life“ marches and find out what we can learn from each other and how we can join forces against those reactionary and misogynist movements transnationally. You are warmly invited to join!

The event will be held in english.
The room is wheelchair accessible.

[de]

Die Anti-Abtreibungsbewegung ist nicht nur ein deutsches Problem. In Folge des faschistischen Aufschwungs in Europa, tun sich Reaktionäre mit verschiedensten Hintergründen zusammen und streben danach, die sowieso schon minimalen reproduktiven Rechte von Frauen * noch weiter abzubauen. Zur gleichen Zeit gibt es starke feministische Bewegungen, die gegen konservative und strikte Abtreibungsgesetze kämpfen, z.B. der schwarze Protest in Polen oder die Pro-Choice Kampagnen im Vorfeld des irischen Referendum.

Am 27. April findet in Prag der „nationale Marsch des Lebens“ statt. Deshalb werden die Genoss*innen vom Kolektiv 115 nach Berlin kommen, um die Kämpfe gegen die reaktionären und frauenfeindlichen Märsche transnational zusammen zu führen. Sie werden uns in die politischen Ursprünge der tschechischen Anti-Abtreibungsbewegung und deren sozialen Kontext einführen. TOP B3rlin laden euch ein, mit dem What the Fuck-Bündnis und Kolektiv 115 zu diskutieren, welche politischen Strategien und Taktiken gegen „Pro-Life“-Märsche sinnvoll und erfolgreich sind, um herauszufinden, was wir voneinander lernen können.

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt, es gibt eine Flüsterübersetzung ins Deutsche.
Der Raum ist mit Rolli zugänglich und es gibt eine rolligerechte Toilette.

Fortsetzung des Vernetzungstreffen

Am 3.3 (Sonntag) um 18 Uhr im FAQ wollen wir gerne weiter mit euch über Strategien sprechen wie wir weiter gegen §218 und $219a vorgehen können. Jetzt erst recht.
#wegmit218 #wegmit219a

Flti* Vorabenddemo

Das Land Berlin mag den 8. März zum offiziellen Feiertag gemacht haben, aber für uns bleibt es ein feministischer Kampftag. Klar wollen auch wir unsere Kämpfe und Errungenschaften feiern, aber nicht mit Nelken und feinen Reden! Es handelt sich dabei oft um eine eindimensionale Erzählung, denn zu dieser Geschichte gehören auch die Kämpfe von Schwarzen Menschen und People of Color gegen Rassismus innerhalb feministischer Bewegungen, der Aktivismus der Krüppelfrauen und viele andere.

Wir haben 2019 und der Allgemeinzustand ist bitter: Sexistische und sexualisierte Gewalt, homo- und trans*feindliche Übergriffe nehmen nicht ab. Wirkliche Debatten darüber bleiben aus, es sei denn, man kann sie für rassistische Stimmungsmache missbrauchen. Die dritte Option beim Geschlechtseintrag ist ein Witz und bleibt Meilen hinter dem zurück, was Aktivist*innen und Verbände gefordert haben. Und im Fernsehen wird darüber debattiert, ob es nicht etwas zu weit geht, wenn Menschen über ihren eigenen Uterus entscheiden.

Feminist*innen vor uns haben vieles erkämpft, aber das reicht uns nicht! Und selbst diese Errungenschaften müssen verteidigt werden. Das bekommen wir leider im Moment oft vor Augen geführt:

Die Wahlergebnisse der AfD mit ihrem reaktionären Familien- und Geschlechterbild und ihrem völkisch-rassistischen Denken; eine gesamtgesellschaftliche Diskursverschiebung nach rechts; Schulterschlüsse zwischen Konservativen, christlichen Fundamentalist*iInnen und Neonazis.

Dazu gehört auch die Etablierung bestimmter Orte, wie z.B. der Bibliothek des Konservatismus. Hinter dem Begriff Konservatismus versteckt sich dabei ein rassistisches und antifeministisches Gedankengut, das unsere Gegenwart prägt. Die Bibliothek des Konservatismus in Berlin-Charlottenburg ist ein Ort, an dem sich rechte Akteure austauschen, treffen und vernetzen können.

Darum gehen wir am Vorabend des 8. März gemeinsam als Frauen*_Lesben_Trans*_Inter*-Demo auf die Straße – um laut zu sein, um unsere Forderungen und unsere Wut zu zeigen. Um einmal mehr zusammen zu kämpfen anstatt allein bei der Lohnarbeit, auf der Straße, in unseren Szenen. Um gemeinsam stark zu sein und gefährlich! Kommt mit uns nach Charlottenburg und lasst uns der Bibliothek des Konservatismus einen Besuch abstatten.

18:30 Stuttgarter Platz, Charlottenburg

§218 + §219a wegstreiken – Keep your politics out of my uterus

Am 7. März lädt AKK zum Streik vor dem Streik: Denn staatlich-patriarchale Zugriffe auf die Körper von Frauen* sind immer noch gesellschaftliche Realität. Wir treffen uns vor dem Gesundheitsministerium in der Friedrichstraße, wo aktuell eine unsägliche „Post-Abortion“-Studie in Auftrag gegeben wird. Kommt mit uns auf die Straße gegen den antifeministischen Backlash! Lasst uns gemeinsam eintreten für die Entkriminalisierung von Abtreibung und die Abschaffung der Paragrafen 218 und 219a StGB und für sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung – für eine befreite Gesellschaft! Bringt Kleiderbügel mit – All Genders Welcome.

16:00 Bundesministerium für Gesundheit, Friedrichstraße 108, Berlin

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Sogenannte Lebensschützer, die AfD und Antifeminist*innen feiern Erfolge: Die Anzahl von Kliniken und Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, hat sich in den letzten 15 Jahren fast halbiert. Ärzt*innen wie Kristina Hänel werden verurteilt, weil sie über Abtreibungen informieren und die Bundesregierung gibt Millionen für eine Studie zum von den Lebensschützern erfundenen ‚Post-Abortion-Syndrom‘ aus. Mit der Studie sollen die »seelischen Folgen« von Abtreibungen erforscht werden – dabei ist gut belegt, dass Frauen* Abtreibungen mehrheitlich eben nicht bereuen!

Die andauernden Debatten um das Recht auf Abtreibung sind Teil des rechten, antifeministischen Backlashs, den wir zurzeit erleben. Es steht (mal wieder) das Recht der Frauen* auf dem Spiel, sich selbstbestimmt für oder gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden. Dabei wird die schlichte Zurechnungsfähigkeit von Frauen infrage gestellt, wenn zum Beispiel der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) behauptet, wir würden die Pille danach »wie Smarties essen«. Angesichts solcher weiblicher Unvernunft erscheint der »Schutz des ungeborenen Lebens« auch gegen die Schwangere selbst nicht nur moralisch notwendig, sondern auch logisch.

Aktuell wurde der Paragraf 219a StGB verändert. Dieser Paragraf wurde von den Nationalsozialisten eingeführt und verbietet noch heute »Werbung« für Abtreibungen. Und auch nach der Reform von §219a StGB hat der Staat weiterhin die Kontrolle darüber, welche Informationen über Abtreibungsmethoden und -kosten wo für Frauen verfügbar sind. Das ist keine Verbesserung, sondern verhindert den schnellen und einfachen Zugang zu Informationen, die einen sicheren Schwangerschaftsabbruch ermöglichen. Ganz zu schweigen davon, dass Abtreibungen in Deutschland letztlich immer noch verboten, also nur unter bestimmten Bedingungen straffrei sind (§218 StGB). Die Kriminalisierung von Abtreibung ist Teil staatlicher Bevölkerungspolitik, mit der die Familie als »Keimzelle der Nation« gefördert wird. Dabei definiert der Staat die Menschenleben – mit dem Blick auf ihre kapitalistische »Verwertbarkeit« – als unterschiedlich »wertvoll«: Während die einen gar nicht erst herkommen sollen und deshalb an den EU-Außengrenzen sterben, sollen die anderen – mit Vorliebe weiße Akademiker*innen – mehr Kinder kriegen. So wird klar: Hier geht es nicht um »Lebensschutz«, sondern um den Fortbestand der »deutschen« Bevölkerung.

Seit Jahrzehnten kämpfen Frauen* und Feminist*innen weltweit gegen staatlich-patriarchale Zugriffe auf ihren Körper und für die Legalisierung von Abtreibungen – und leider sind diese Kämpfe aktuell wie eh und je. Lasst uns deswegen gemeinsam eintreten für die Entkriminalisierung von Abtreibung und die Abschaffung der Paragrafen 218 und 219a StGB und für sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung – für eine befreite Gesellschaft!

Feministischer Tresen

Komm zum Feministischen Tresen am 2. März ab 20 Uhr ins faq (Jonasstraße 40, Neukölln). Es gibt Cocktails, aktuelle Infos zu Aktivitäten rund um den 8. März. Und Karaoke. Yeah!

Soli-Tresen

Femnismus bleibt Handarbeit:
Um die Kosten für die Proteste gegen den „Marsch für das Leben“ zu decken, laden wir euch zu einem kleinen, unchristlichen Wintertresen mit Glühwein und Soli-Cocktails ein. Damit wir auch nächsten September den Fundis ihren Marsch vermiesen können.
Am Freitag, den 14.12. nahe Rosenthaler Platz. Mehr Infos findest du im Szenekalender deines Vertrauens 😉