Die Freiheit, kein Kind austragen zu müssen

Queer-feministische Überlegungen zu Leihschwangerschaft und Eizelltransfer

Die „Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin“ legt am 15.4.2024 ihren Bericht vor. Wir begrüßen die Empfehlung zur Entkriminalisierung von Abtreibungen, sehen die Legalisierung von Eizelltransfer und Leihschwangerschaft aber kritisch.

Die Entkriminalisierung von Abtreibungen ist längst überfällig. Jede schwangere Person sollte selbst entscheiden dürfen, ob sie die Schwangerschaft austrägt, oder nicht. Wir fordern einen diskriminierungsfreien Zugang zu reproduktiven Leistungen – und zu allen Leistungen, die zur aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben notwendig sind. Das wären zum Beispiel eine finanzielle Grundsicherung, die ein sorgenfreies Leben ermöglicht, eine verlässliche Kinderbetreuung – oder eben Abtreibungen.

Doch gibt es das Recht auf ein (eigenes) Kind? Reproduktionstechnologien wie Eizelltransfer und Leihschwangerschaft ermöglichen Paaren und anderen Familienkonstellationen, die selbst keine Schwangerschaft austragen können oder wollen, Kinder mit einem Anteil eigenen Erbgutes. Diese Reproduktionstechnologien sind eingebettet in gesellschaftliche Machtverhältnisse. Weiterlesen

Pressemitteilung: Bündnis für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen

Justizminister Marco Buschmann hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, wonach § 219a StGB, der es bislang Ärzt*innen erschwert vollumfänglich über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren, nun zeitnah gestrichen werden soll. soll Wir begrüßen das, jedoch ist es bei Weitem nicht genug.

Das Bündnis für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen fordert deshalb mit einer Petition:

  • Die Streichung der §§ 218 ff. und 219a StGB innerhalb dieser Legislaturperiode
  • Den Ausbau freiwilliger Beratungsangebote zu Schwangerschaftsabbrüchen
  • Die Aufnahme von Schwangerschaftsabbrüchen als festen Bestandteil der medizinischen Ausbildung im Bereich Gynäkologie
  • Die Verpflichtung staatlicher Krankenhäuser, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen

Schon mehr als 64.000 Menschen haben unsere Petition unterschrieben (Stand 17.02.2022).

Link zur Petition: https://weact.campact.de/p/wegmit21

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„Willkommenskultur für Neugeborene“ – What the fuck!?

Rassistische Bevölkerungspolitiken vom deutschen Kolonialismus bis heute

Die selbsternannte Lebensschutzbewegung hat sich angeblich dem Schutz der Familie verschrieben. Wenn wir genauer hinschauen, lässt sich erkennen, dass hiermit meist nur ganz bestimmte Familien gemeint sind: weiß, deutsch, christlich und hetero. Wenn auf dem sogenannten „Marsch für das Leben“ Schilder eine „Willkommenskultur für Neugeborene“ fordern und so eine pro-natalistische Politik für Inländer*innen gegen das Recht auf Asyl in Anschlag bringen oder die AfD mit dem Slogan „Neue Deutsche – machen wir selbst“ wirbt, wird das mehr als deutlich.

Dass konservative Diskurse um Fortpflanzung und Familie mindestens anschlussfähig für extrem rechte Ideologien sind, ist wenig verwunderlich: Ehe, Familie und Geburt sind der Punkt, über den auch Zugehörigkeiten wie Staatsbürgerschaft verhandelt werden – und die Schnittstelle, an der sich Vorstellungen von Geschlecht, „Volk“ und „Rasse“ kreuzen.

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Männer, Frauen und sonst nichts – What the fuck!?

Die Aberkennung reproduktiver Rechte durch „Lebensschützer*innen“ und Staatsgewalt

Was sich im Kampf der selbsternannten „Lebensschützer*innen“ gegen Schwangerschaftsabbrüche ausdrückt, ist mehr als ein unverhohlener Antifeminismus: Die massive Intervention christlicher Fundamentalist*innen in die körperliche Selbstbestimmung gebärfähiger Personen speist sich aus einem extrem konservativen Weltbild, das inhärent hetero- und cis-normativ fundiert und einer völkischen Ideologie verhaftet ist. Eine ihrer wichtigsten Begründungsfiguren im Kampf gegen körperliche Selbstbestimmung ist eine vermeintlich natürliche, von Gott geschaffene Ordnung binärer Geschlechtlichkeit, die Frauen und Männer auf extrem starre Rollen verweist. Heterosexualität und Cisgeschlechtlichkeit werden in diesem Rahmen zur einzig natürlichen Norm erklärt, was die Negation queerer Existenzen zur Folge hat.

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