Nicht nur Frauen können schwanger werden – Gedanken zu Cis-Sexismus beim Protest

Wir freuen uns wie jedes Jahr über kreative und vielfältige Inhalte bei unserem Protest. Allerdings tauchen bei Aktionen rund um das Recht auf körperliche Selbstbestimmung immer wieder Sprüche auf, die marginalisierte Lebensrealitäten nicht mitdenken und damit unsichtbar machen. Wir als Bündnis wünschen uns, dass bei unserem Protest diese Unsichtbarmachung nicht weitergeführt wird.

Ein paar Fragen, die ihr euch in Bezug auf mitgebrachte Transpis/Plakate stellen könnt:

  • Setze ich mit meiner Botschaft körperliche Merkmale und ein bestimmtes Geschlecht gleich?
  • Vermittle ich bestimmte Weiblichkeits- oder Männlichkeitsnormen?
  • Vermittle ich bestimmte Körpernormen oder Identitäten? Denke zB. nur weiße und nicht be:hinderte Körper mit?
  • Funktioniert der gleiche Spruch auch für nicht-cishetero Lebensentwürfe?

Manche Sprüche sind witzig gemeint, funktionieren aber durch die Aufrechterhaltung einer Cis-Norm gegenüber Körpern: ZB „If men could get pregnant, abortion would be legal“ – Schwangerschaften von Transmännern haben bisher noch nichts an Paragraph 218 verändert!

Vulven wurden und werden oft als empowerment-Symbol verwendet. Es ist immer noch nötig, Menschen mit Vulva in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und der eigenen Sexualitätentgegen des damit verbundenen Stigmas zu bestärken. Oft werden Vulven jedoch im gleichen Zug mit Frau-Sein oder Weiblichkeit gleichgesetzt. Wenn beispielsweise ein Schild, auf dem eine Vulva zu sehen ist, mit “girl power” betitelt wird, schließt die Botschaft Frauen und Mädchen, die keine typischerweise als Vulva gelesenen Genitalien haben, aus. Es werden zudem Menschen in der Gruppe der Frauen und Mädchen mitgedacht, die vielleicht über ähnliche Genitalien verfügen, sich aber nicht als Frauen bezeichnen. Stark auf Körperlichkeiten bezogene Symboliken können insbesondere für Trans- und Inter*personen negativ vorbelastet sein. Eine hauptsächlich mit Vulven bebilderte Demo kann das Gefühl vermitteln, dass es dabei nur um die Kämpfe von cis-Frauen oder bei der Geburt als weiblich zugewiesene Menschen geht, und andere Positionen mit ihren Anliegen nicht gesehen oder berücksichtigt werden. Dabei geht es nicht um das Körperteil an sich als Problem, sondern um den historischen und sozialen Kontext von Transmisogynie*, in dem es unabhängig von der Absicht der Transpiträger:innen steht. Transfrauen und transweibliche Menschen etwa werden leider immer noch aus manchen Frauenräumen ausgeschlossen, da ihr Frau-Sein unter anderem aufgrund angenommener körperlicher Differenzen nicht anerkannt wird. Wir wollen Protestformen fördern, in denen unterdrückte Gruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern solidarisch auch Ausschlüsse mitdenken, die sie nicht selbst betreffen.

Unser Feminismus ist queer, antirassistisch und solidarisch! Take back your body, your gender and sexuality!

* Transmisogynie bezeichnet die Diskriminierung von Transfrauen und transweiblichen Personen