PRESSEMITTEILUNG – Medizin und christlicher Fundamentalismus? Antifeministischer Kongress von Abtreibungsgegner*innen
Berlin, 23. Februar 2026
Der Anti-Abtreibungs-Verein “Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA) veranstaltet am 6. März 2026 in Berlin einen Kongress zum Thema Leihschwangerschaft. Das Programm zeigt ein Netzwerk aus Abtreibungsgegner*innen, Vertreter*innen von Lobbyvereinen und Populist*innen, wie die umstrittene Publizistin Birgit Kelle, aber auch Mediziner*innen (u.a. von der Charité), Das What-the-Fuck-Bündnis kritisiert die antifeministische und queer-feindliche Ausrichtung des Kongresses. Wir sehen in dieser Veranstaltung eine gefährliche Verquickung von Wissenschaft und populistischen, anti-queeren und antifeministischen Positionen. Es ist ein Skandal, dass Ärzt*innen für die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung Fortbildungspunkte erhalten sollen. Wir sehen darin eine große Gefahr, da die Veranstalter*innen dafür bekannt sind, medizinische Falschinformationen zu verbreiten.
Das Problem ist nicht eine kritische Perspektive auf Leihschwangerschaft, sondern dass der Kongress von christlichen Fundamentalist*innen und Abtreibungsgegner*innen initiiert wird, die bereits in ihrer Grundhaltung antifeministisch und queerfeindlich sind. Die Veranstaltenden sind nicht an einer Kritik an einer potenziell ausbeuterischen Reproduktionsmedizin interessiert, sondern lehnen per se alle Möglichkeiten auf queere Elternschaft ab. Denn: Reproduktionstechnologien wie Eizelltransfer und Leihschwangerschaft haben das Potential Paaren und anderen Familienkonstellationen Kinder zu ermöglichen, die selbst keine Schwangerschaft austragen können oder wollen. So bekommen zum Beispiel auch queere Paare eine Chance auf Elternschaft. Was wir als eine Chance auf Gleichstellung sehen, stößt bei christlichen Fundamentalist*innen auf Ablehnung.
Gleichzeitig sind diese Reproduktionstechnologien jedoch in gesellschaftliche Machtverhältnisse eingebettet. Schwangerschaft geht mit gesundheitlichen Risiken einher, insbesondere wenn reproduktionsmedizinische Verfahren genutzt werden. Denn der „Deal“ findet nicht ausschließlich zwischen den werdenden Eltern und der schwangeren beziehungsweise eizellspendenden Person statt. Insbesondere bei der Kombination von Leihschwangerschaft und Eizellspende ist man auf reproduktionsmedizinische Technologien angewiesen. Damit tritt stets eine dritte Partei auf: Unternehmen der Reproduktionsmedizin. Diese Unternehmen handeln profitorientiert und profitieren finanziell vom Körper der Spender*innen bzw. Austragenden, auch wenn diese kein Geld erhält.
„In unserer Kritik geht es nicht darum, die individuelle Entscheidung für eine Leihschwangerschaft – weder die der Wunscheltern noch die der austragenden Person – anzuprangern. Vielmehr wollen wir kritisch beleuchten, innerhalb welcher Strukturen diese Entscheidungen getroffen werden und wer die Bedingungen dafür vorgibt. Wir grenzen uns ausdrücklich von christlich-konservativen und rechten Argumentationen gegen Leihschwangerschaft ab, die die Debatte nutzen, um Queerfeindlichkeit weiter zu verbreiten. Ebenso problematisch sind Positionen, die In-vitro-Fertilisation als „Massenmord an vielen potenziellen kleinen Lebewesen“ bezeichnen. Diese Sichtweisen weisen wir entschieden zurück,“ Ella Nowak, Pressesprecherin des What-the-Fuck-Bündnis.
Mehr Informationen zu unserer Arbeit und zum Thema finden Sie auf unserem Blog: https://whatthefuck.noblogs.org/die-freiheit-kein-kind-austragen-zu-muessen/
Ella Nowak, Pressesprecherin des What-the-Fuck-Bündnis.