Pressemitteilung 03.06.2026

Das queer-feministische Bündnis What-the-Fuck fordert Monitoring zur Kassenfinanzierung des NIPT: „Selektion darf nicht zur Normalität werden“

Berlin, 4.6.2026
Am 25. oder 26. Juni 2026 wird der Deutsche Bundestag über den fraktionsübergreifenden Antrag „Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums“ abstimmen. Wir unterstützen die Forderung nach einem verbindlichen Monitoring, um die gesellschaftlichen Auswirkungen der Kostenübernahme für Tests auf Trisomien zu erfassen. Reproduktive Gerechtigkeit umfasst nicht nur das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, sondern auch die Analyse der Rahmenbedingungen, unter denen diese Entscheidungen getroffen werden.

Die Kassenfinanzierung des NIPT stellt ein Novum dar: Ein Test ohne direkten therapeutischen Nutzen für das ungeborene Kind wird von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Kritiker*innen bemängeln, dass bislang keine unabhängigen Untersuchungen vorliegen, ob der Test faktisch zu einem Massenscreening auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) geführt hat. Es fehlen verlässliche Daten darüber, ob Schwangere sich aufgrund mangelhafter Aufklärung oder gesellschaftlichen Drucks („Soll-Erwartung“) für den Test entscheiden und wie sich dies auf das gesellschaftliche Bild von Behinderung auswirkt.

Die soziale Benachteiligung von Menschen mit Behinderung ist ein politisches Problem, das nicht durch medizinische Selektion gelöst werden darf„, so die Pressesprecherin des Bündnisses Ella Nowak. „Das ist eine Richtungsentscheidung. Wir möchten nicht in einer Gesellschaft leben, die Selektion und Leistungsdenken bereits im Uterus praktiziert, in der es (wieder) normalisiert wird, das behindertes Leben vermeidenswert sei. Ja, wir brauchen ein Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Wir brauchen aber auch gute Bedingungen für ALLE und einen Abbau gesellschaftlicher Ungleichheiten. Wir müssen jetzt hinschauen, bevor es zu spät ist. Ein Monitoring ist daher keine Einschränkung, sondern eine notwendige Voraussetzung für echte Wahlfreiheit.

Der Antrag sieht vor, ein Gremium zu installieren, das die Konsequenzen der Kassenleistung überwacht. Dies steht im Kontrast zu Positionen, die den Antrag pauschal als Angriff auf das Selbstbestimmungsrecht der Schwangeren kritisieren. Informierte Entscheidungen sind eine Grundvoraussetzung von Selbstbestimmung. Besonders widersprüchlich ist, dass die AfD, die sich immer wieder als die Partei der sogenannten LebensschützerInnen versteht, genau jene Transparenz ablehnt, die notwendig wäre, um zu prüfen, ob die Kassenfinanzierung tatsächlich zu einer Selektion führt.

Wir warnen davor, die Tür für weitere genetische Tests auf Normabweichungen zu öffnen, ohne die ethischen und sozialen Folgen zu reflektieren, die damit einhergehen. Die Entscheidung im Bundestag ist eine Richtungsentscheidung für eine inklusive Gesellschaft. Wir unterstützen die Forderung des #NoNIPT-Bündnisses: Einrichtung eines verbindlichen Monitorings zur Erfassung der gesellschaftlichen Folgen der NIPT-Kostenübernahme.

Streichung von Paragraph 219a – ein Grund zum Feiern?!

Am Freitag, den 24.06. wird es endlich so weit sein: die Streichung des §219a aus dem Strafgesetzbuch scheint beschlossene Sache! Der Paragraph, offiziell ein „Werbeverbot“ für Schwangerschaftsabbrüche, erschwert es Ärzt*innen, sachlich über Abtreibungen zu informieren und die Suche nach seriösen Unterstützungsangeboten für ungewollt Schwangere wird zu einer wahren Odyssee gemacht. Immer wieder nutzen radikale Abtreibungsgegner*innen den Paragraphen, um Druck auf Ärzt*innen auszuüben.

Wir vom Bündnis „What the fuck?!“ freuen uns, dass dieses Informationsverbot endlich fällt. Diese Entwicklung ist das Ergebnis jahrelanger politischer Kämpfe. Allerdings, so bemerkt „What the fuck?!“-Pressesprecherin Ella Nowak, darf  „die Bewegung jetzt nicht ihren Drive verlieren. Die Streichung von  §219a ist allenfalls ein Etappensieg – der Schwangerschaftsabbruch muss gänzlich raus aus dem Strafgesetzbuch!“.

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Der Staat in Bauch und Bett? What the Fuck!

Sexuelle Dienstleistungen anbieten und eine ungewollte Schwangerschaft beenden – beides ist in Deutschland heute grundsätzlich möglich aber tabuisiert und stigmatisiert. Sowohl Sexarbeit als auch Schwangerschaftsabbrüche waren lange Zeit vollständig illegalisiert und sind noch heute mit Verboten, Zwängen und Hindernissen belegt. Dies trifft fast ausschließlich Frauen, Trans*, Inter* und nicht-binäre Personen.
Als „What-the-Fuck“-Bündnis sind wir seit Jahren solidarisch mit Sexarbeiter*innen. Das bringen wir in unseren Texten sowie bei Veranstaltungen, Aktionen und bei den Gegenprotesten für den „Marsch für das Leben“ zum Ausdruck. Wie Sexarbeit und reproduktive Rechte, so auch der legale Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, zusammenhängen, wollen wir hier noch einmal kurz aufzeigen:

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Schwangerschaftsabbruch und fleißige Fundis im Home Office

In der sogenannten Corona-Krise zeigt sich, wie schlecht das deutsche Gesundheitssystem auf eine derartige Pandemie vorbereitet ist. Aber die Engpässe zeigen auch mehr als deutlich die Resultate einer kapitalistischen Gewinnausrichtung im Gesundheitsbereich – und offenbaren jene Stellen im System, wo auch schon vor Corona die Versorgungslage völlig unzureichend war. Dazu zählt in Deutschland der Schwangerschaftsabbruch.

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